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Fertigungsauftrag (FAUF): Steuerungselement zwischen Planung und Werkstatt

Der Fertigungsauftrag (FAUF) koordiniert die Herstellung eines definierten Produkts oder einer Baugruppe in einer festgelegten Menge, Qualität und zu einem verbindlichen Termin. Er verbindet Stückliste, Arbeitsplan, Materialbereitstellung und Qualitätsprüfung in einem einzigen Auftragsobjekt und bildet damit das zentrale Steuerungsinstrument zwischen Produktionsplanung und Shopfloor. Die Abkürzung FAUF stammt aus dem SAP-Sprachgebrauch, das Konzept gilt aber ERP-systemübergreifend.

Was enthält ein Fertigungsauftrag konkret?

 Ein FAUF bündelt alle Informationen, die für eine reibungslose Produktion notwendig sind: Produktbezeichnung und Stückliste (BOM), geplante Menge und Einheiten, Start- und Endtermin, benötigte Maschinen, Werkzeuge und Personalqualifikationen sowie Arbeitsanweisungen für jeden Fertigungsschritt. Hinzu kommen Kostenstelle, Qualitätsprüfpläne und der aktuelle Auftragsstatus. Letzterer dokumentiert, ob der Auftrag angelegt, freigegeben, in Bearbeitung oder abgeschlossen ist und ermöglicht damit eine lückenlose Rückverfolgung des Produktionsfortschritts.

Was ist der Unterschied zwischen einem Planauftrag und einem Fertigungsauftrag?

Der Planauftrag ist ein Vorschlag des Planungssystems auf Basis von Bedarfen und aktuellen Beständen. Er ist nicht verbindlich, lässt sich jederzeit ändern oder löschen und löst weder Materialentnahmen noch Kapazitätsbelegungen aus.


Der Fertigungsauftrag ist die formale Freigabe dieses Vorschlags. Er ist verbindlich, erzeugt buchhalterisch relevante Transaktionen und löst Lagerbewegungen aus. Im SAP-Umfeld entspricht das dem Unterschied zwischen geplantem Auftrag (PA) und freigegebenem FAUF. Wer beide Begriffe verwechselt, riskiert Fehlbuchungen im Lager und Kapazitätskonflikte in der Feinplanung.

Wie läuft ein Fertigungsauftrag von der Anlage bis zur Fertigmeldung ab?

  1. Auftragsanlage: Der FAUF wird aus einem Kundenauftrag, einem MRP-Planungsvorschlag oder manuell erzeugt und erhält eine eindeutige Auftragsnummer.
  2. Materialverfügbarkeitsprüfung: Das System prüft, ob alle Komponenten laut Stückliste verfügbar sind. Fehlteile werden als Mangelposition gemeldet.
  3. Freigabe: Nach Prüfung von Material, Kapazitäten und Qualitätsvoraussetzungen wird der FAUF freigegeben. Erst ab diesem Zeitpunkt dürfen Materialentnahmen gebucht werden.
  4. Abarbeitung und Rückmeldung: Mitarbeiter melden Gut-, Ausschuss- und Nacharbeitsmengen zurück, wahlweise über BDE-Terminals, mobile Endgeräte oder SAP-Transaktionen.
  5. Fertigmeldung und Wareneingang: Die produzierte Menge wird ins Lager gebucht, der FAUF erhält den Status „Abgeschlossen“.
  6. Nachkalkulation: Ist- und Plankosten werden ausgewertet. Abweichungen fließen direkt in die kontinuierliche Verbesserung ein.

Wann ist ein Fertigungsauftrag sinnvoll — und wann nicht?

Ein FAUF ist sinnvoll, sobald die Produktion mehrere Ressourcen gleichzeitig koordinieren muss: Einzelfertigung im Maschinenbau, Serienfertigung in Food & Beverage oder Ersatzteilproduktion in der Instandhaltung. Überall dort, wo Rückverfolgbarkeit nach Charge oder Losnummer gefordert ist etwa durch ISO 9001 oder branchenspezifische Normen — ist der FAUF das passende Instrument.

Nicht sinnvoll ist ein vollständig ausgesteuerter FAUF bei sehr einfachen, repetitiven Prozessen ohne Qualitätsanforderungen: Ein Kanban-gesteuerter Nachschub für Normteile kommt mit weniger Overhead aus. Wer jeden Handgriff in der Kleinstfertigung als FAUF anlegt, erzeugt Planungsaufwand, der den Nutzen übersteigt.

Welche Fehler entstehen bei der FAUF-Abwicklung in der Praxis?

  • Zu späte Rückmeldungen: Mitarbeiter melden Fertigungsmengen erst am Schichtende oder am nächsten Tag. Die Folge sind veraltete Lagerbestände im ERP-System und falsche Kapazitätssignale für die Nachschichtplanung.
  • Stücklistenfehler im FAUF: Wenn die BOM im ERP nicht aktuell gepflegt ist, werden Komponenten mit der falschen Revision in den FAUF übernommen. Das führt zu Nacharbeit oder Ausschuss, der erst beim Qualitätscheck auffällt.
  • Papierbasierte Weitergabe: Gedruckte FAUFs können nach der Freigabe nicht mehr automatisch aktualisiert werden. Ändert sich ein Arbeitsplan oder eine Materialmenge, erfährt der Werker davon nur, wenn jemand physisch in die Fertigung läuft.
  • Fehlende Fertigmeldung: FAUFs, die produktionstechnisch abgeschlossen sind, aber im System offen bleiben, verfälschen die Nachkalkulation und blockieren Kapazitätssignale für die nächste Planungsrunde.

Wie unterscheidet sich der FAUF von einem Arbeitsauftrag oder Prozessauftrag?

Der Fertigungsauftrag (FAUF) steuert die diskrete Fertigung: einzelne Stückzahlen, eindeutige Seriennummern oder Losnummern, klar definierte Stücklistenpositionen.

Der Prozessauftrag gilt für die Prozessindustrie: Batch-Fertigung, Rezeptsteuerung, mengenbasierte Charge (z. B. Pharma, Chemie, Food). Er folgt einem Masterrezept statt einem klassischen Arbeitsplan.

Der Arbeitsauftrag im Instandhaltungsbereich (PM-Modul) steuert Wartungs- und Reparaturmaßnahmen ohne Produktionsmenge. Er teilt mit dem FAUF die Struktur aus Kostenstelle, Ressource und Statusverfolgung, ist aber nicht auf die Herstellung eines Produkts ausgerichtet.

Was bringt die Digitalisierung des Fertigungsauftrags konkret?

Ein digitaler FAUF ersetzt den Papierausdruck in der Werkstatt durch ein Terminal, Tablet oder mobiles Gerät. Mitarbeiter sehen immer die aktuelle Version des Arbeitsplans, können Rückmeldungen direkt an der Maschine erfassen und Abweichungen sofort dokumentieren. Änderungen im ERP-System etwa eine Stücklistenrevision oder ein geänderter Liefertermin sind ohne Papiertausch in Sekunden an allen Arbeitsplätzen sichtbar. Die BDE-Schnittstelle (Betriebsdatenerfassung) ermöglicht zudem automatisierte Rückmeldungen über Maschinen- oder Anlagensignale, ohne manuellen Eingriff.

Mit flowdit lassen sich Fertigungsaufträge digital als Checklisten und Arbeitsanweisungen direkt im Shopfloor abbilden. Mitarbeiter melden Arbeitsstände mobil zurück, Qualitätsprüfungen werden am FAUF verknüpft dokumentiert — ohne Medienbruch zwischen ERP-System und Werkstatt.

Weiterführende Erklärungen zu Fachbegriffen finden Sie in unserem Glossar.