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Ausfallzeit: Definition, Messung und systematische Reduzierung in der Produktion

Ausfallzeit bezeichnet den Zeitraum, in dem eine Maschine oder Anlage nicht produziert — weil sie defekt ist, gewartet wird oder aus externen Gründen stillsteht. Die Kennzahl fließt direkt in OEE und technische Verfügbarkeit ein und ist in Instandhaltung, Produktionsplanung und Qualitätsmanagement ein zentraler Steuerungsparameter.

Was ist der Unterschied zwischen geplanter und ungeplanter Ausfallzeit?

Geplante Ausfallzeit entsteht durch bewusst terminierte Maßnahmen: Wartungsintervalle, Rüstvorgänge, Reinigungsläufe oder Softwareupdates. Diese Zeiten lassen sich in die Schichtplanung einarbeiten und verändern die Verfügbarkeit kalkulierbar. Ungeplante Ausfallzeit tritt ohne Vorwarnung auf — durch technische Defekte, Sensorfehler, Bedienungsfehler oder Materialengpässe.


Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Zeitverlust selbst, sondern in der Auswirkung auf den Betrieb. Geplante Stillstände schützen vor größeren Schäden. Ungeplante Stillstände erzwingen sofortige Reaktion, unterbrechen laufende Aufträge und erhöhen den Druck auf das Instandhaltungsteam.


In der OEE-Logik gehen ungeplante Ausfallzeiten direkt in den Verfügbarkeitsverlust ein. Geplante Stillstände werden je nach Berechnungsmethode aus der Planbelegungszeit herausgerechnet oder als eigene Kategorie geführt.

Wie wird Ausfallzeit berechnet und was geht dabei oft schief?

Die Ausfallzeit ergibt sich aus der Differenz zwischen geplanter Betriebszeit und tatsächlicher Laufzeit. 

Als Prozentwert: Ausfallzeit (%) = Ausfallminuten / Planbelegungszeit × 100

Für die Instandhaltungssteuerung werden daraus MTBF (Mean Time Between Failures) und MTTR (Mean Time to Repair) abgeleitet.

Der häufigste Fehler in der Praxis: MTTR wird erst ab Reparaturbeginn gemessen, nicht ab dem Zeitpunkt des Ausfalls. Diagnose, Ersatzteilsuche und Anfahrt fehlen in der Kennzahl. Das Ergebnis sieht gut aus, spiegelt aber nicht die tatsächliche Stillstandsdauer wider.


Ein weiterer Fehler: geplante Wartungszeiten fließen in die MTTR ein. Die Kennzahl verliert damit ihre Aussagekraft über die Reaktionsfähigkeit bei Störungen. MTTR und MTBF sind nur dann steuerungsrelevant, wenn sie auf einheitlichen Definitionen und lückenloser Erfassung basieren.

Was kostet eine Stunde Ausfallzeit wirklich?

Die direkten Kosten sind der Produktionsausfall: verlorene Stückzahlen, weiterlaufende Fixkosten, Überstunden zur Kompensation. Die indirekten Kosten werden häufig unterschätzt. Expressbeschaffung von Ersatzteilen, Lieferverzug beim Kunden, Qualitätsprobleme beim Wiederanlauf und die Bindung von Instandhaltungskapazität summieren sich.

Laut Einschätzungen aus der Instandhaltungspraxis übersteigen die Folgekosten eines ungeplanten Ausfalls die regulären Wartungskosten typischerweise um den Faktor 3 bis 5. Besonders in getakteten Linien oder bei verderbbaren Gütern: etwa in der Lebensmittelproduktion, entstehen zusätzliche Risiken durch unterbrochene Prozesse, die sich nicht einfach fortsetzen lassen.

Ausfallzeit vs. Stillstandszeit: Wo liegt der Unterschied

Stillstandszeit ist der übergeordnete Begriff. Er umfasst alle Zeiten, in denen eine Maschine nicht produziert, unabhängig vom Grund.

Stillstandszeit = jede Nichtbetriebszeit (geplant + ungeplant + organisatorisch)

Ausfallzeit = Teilmenge der Stillstandszeit, die durch technische oder organisatorische Störungen entsteht — also Zeiten, in denen die Anlage nicht verfügbar ist, weil sie nicht eingesetzt werden kann

In der Praxis werden beide Begriffe oft synonym verwendet. Für die Kennzahlensteuerung ist die saubere Trennung aber entscheidend: Nur wer Stillstandszeiten nach Ursachenkategorie aufschlüsselt, kann gezielt eingreifen. Der VDI 3423 unterscheidet dazu technische Ausfallzeiten, organisatorische Ausfallzeiten und wartungsbedingte Zeiten als separate Kategorien.

Welche Ursachen verursachen die meisten ungeplanten Ausfallzeiten?

Technische Defekte sind die sichtbarste Ursache, aber nicht die häufigste. In der Praxis entstehen viele ungeplante Stillstände durch organisatorische Lücken: fehlende Ersatzteile bei bekannten Schwachstellen, unklare Zuständigkeiten beim Störungsmanagement oder Wartungen, die zwar geplant, aber nicht konsequent durchgeführt wurden.

Drei besonders häufige Muster:

  1. Verschleppte Kleinstörungen: Kurze Stillstände unter fünf Minuten werden nicht erfasst. Sie summieren sich über eine Schicht auf signifikante Verluste, ohne dass eine Ursache bekannt ist.
  2. Fehlende Schwachstellenanalyse: Dieselbe Anlage fällt wiederholt aus dem gleichen Grund aus. Das Problem wird behoben, aber nicht dauerhaft beseitigt.
  3. Lückenhaftes Ersatzteilmanagement: Kritische Komponenten sind nicht vorrätig. Die Reparatur scheitert nicht an der Diagnose, sondern an der Lieferzeit.

Wann lohnt sich präventive Wartung, wann ist sie kontraproduktiv?

Präventive Wartung lohnt sich, wenn Ausfälle vorhersehbar sind, hohe Folgekosten haben oder sicherheitsrelevant sind. Bei Anlagen mit stabiler Verschleißkurve und bekanntem Ausfallmuster senkt sie ungeplante Stillstände deutlich.


Kontraproduktiv wird präventive Wartung, wenn Wartungsintervalle zu kurz gewählt werden und dadurch mehr Betriebszeit verloren geht als durch den verhinderten Ausfall eingespart wird. Das gilt besonders für Bauteile mit zufälligem Ausfallverhalten, bei denen kein Intervall den richtigen Zeitpunkt trifft. Predictive Maintenance setzt hier an: Sensordaten ersetzen feste Intervalle durch zustandsbasierte Entscheidungen — sinnvoll dort, wo die Messtechnik verfügbar und die Ausfallkosten hoch sind.

Wer Ausfallzeiten systematisch reduzieren will, braucht zunächst verlässliche Daten. flowdit unterstützt Teams dabei, Stillstände direkt am Gerät zu erfassen, Ursachenkategorien zu dokumentieren und wiederkehrende Muster sichtbar zu machen, ohne Medienbruch zwischen Shopfloor und Auswertung.

Weiterführende Erklärungen zu Fachbegriffen finden Sie in unserem Glossar.