Audit: Definition, Arten, Ablauf und typische Fehler in der Praxis
Ein Audit prüft systematisch, ob Prozesse, Systeme oder Produkte festgelegte Anforderungen erfüllen, und macht Abweichungen sichtbar, bevor sie zu Ausschuss, Stillstand oder Compliance-Verstößen führen. Es liefert einen objektiven Abgleich zwischen dokumentierten Vorgaben und der gelebten Praxis im Werk. Normen wie ISO 9001, IATF 16949 und ISO 45001 setzen Audits als festen Bestandteil des Managementsystems voraus.
Warum ist ein Audit wichtig?
Ein Audit deckt strukturelle Schwachstellen auf, bevor sie zu Ausschuss, Stillstand oder Reklamationen werden. Es gleicht die dokumentierten Vorgaben objektiv mit der tatsächlichen Praxis ab und liefert damit die Nachweise, die eine Zertifizierung verlangt. Ohne konsequente Nachverfolgung der Feststellungen bleibt es allerdings eine folgenlose Momentaufnahme.
Was unterscheidet ein Audit von einer Inspektion oder Betriebsbegehung?
Ein Audit bewertet ein System oder einen Prozess als Ganzes, eine Inspektion prüft ein einzelnes Produkt oder eine Anlage gegen Spezifikationen. Die Betriebsbegehung ist demgegenüber eine meist arbeitsschutzorientierte Begehung ohne die formale Methodik eines Audits, also ohne Auditprogramm, unabhängigen Auditor oder normierten Ablauf. Ein Audit folgt einem Auditplan mit definierten Kriterien und mündet in einem dokumentierten Auditbericht. Die Zertifizierung ist übrigens kein eigener Prüftyp, sondern das Ergebnis eines bestandenen externen Audits durch eine akkreditierte Stelle.
Welche Audit-Arten gibt es, und wie läuft ein Audit ab?
System-, Prozess- und Produktaudit unterscheiden sich im Prüfgegenstand: das Managementsystem gegen eine Norm, ein einzelner Ablauf gegen seine Zielwerte, ein fertiges Erzeugnis gegen Zeichnungen. Dazu kommt, wer prüft: intern (First Party), Lieferant (Second Party) oder akkreditierte Stelle (Third Party). Der Ablauf folgt vier Phasen: Planung, Durchführung, Auswertung und Nachverfolgung. In der letzten Phase erhält jede Abweichung eine Korrekturmaßnahme mit Verantwortlichem und Frist. Wiederkehrende Feststellungen verlangen eine echte Root Cause Analysis (RCA), sonst behandeln Sie nur das Symptom.
Wie oft sollte ein Audit stattfinden?
Die Auditfrequenz richtet sich nach Risiko, nicht nach einem starren Kalender. ISO 9001 verlangt einen risikobasierten internen Auditplan, der kritische Prozesse häufiger prüft als stabile Routinen. In der Praxis heißt das meist jährliche Systemaudits, ergänzt um quartalsweise oder monatliche Prozessaudits für Bereiche mit hoher Fehlerquote. Nach größeren Prozessänderungen, Personalwechseln oder gehäuften Reklamationen ist ein außerplanmäßiges Audit sinnvoll. In der Automobilindustrie kombiniert die IATF 16949 System- und Prozessaudit häufig in einem gemeinsamen Programm.
Audit vs Inspektion vs Betriebsbegehung
Drei Prüfformen, sortiert nach Gegenstand und Methodik.
| Aspekt | Audit | Inspektion | Betriebsbegehung |
|---|---|---|---|
| Prüfgegenstand | System oder Prozess | Einzelnes Produkt oder Anlage | Arbeitsbereiche |
| Maßstab | Normanforderungen | Technische Spezifikation | Arbeitsschutzvorgaben |
| Wer prüft | Geschulter, unabhängiger Auditor | Prüfer oder Fachkraft | Führungskraft oder Sicherheitsfachkraft |
| Ergebnis | Auditbericht mit Feststellungen | Prüfergebnis Gut/Schlecht | Begehungsprotokoll |
Verwandte Begriffe
- Qualitätssicherung – der Rahmen, den ein Audit prüft.
- Flussdiagramm – dokumentiert Prozesse für das Prozessaudit.
- 6S-Methode – häufiger Gegenstand von Vor-Ort-Audits.
- Sichtprüfung – die punktuelle Prüfung neben dem Audit.
- Arbeitsschutzmanagementsystem (SMS)
- CAPA (Corrective and Preventive Action)
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- Audit-Management-Software – Audits planen & durchführen