Instandhaltungsmanagement: Definition, Strategien und Ziele

Instandhaltungsmanagement

Zusammenfassung: Instandhaltungsmanagement ist weit mehr als die bloße Reparatur bei Anlagenausfällen. Es stellt sicher, dass Produktionsanlagen unter Berücksichtigung von Arbeitssicherheit, Ökologie, Ökonomie und weiteren entscheidenden Faktoren zuverlässig und den Anforderungen entsprechend verfügbar sind.

Das Instandhaltungsmanagement ist entscheidend während des gesamten Lebenszyklus einer technischen Anlage. Es koordiniert die notwendigen Material- und Informationsflüsse von der Konstruktion über den Anlauf und Betrieb bis hin zur Entsorgung der Anlage. Diese ganzheitliche und systematische Vorgehensweise trägt dazu bei, die Lebensdauer und Effizienz von Anlagen zu maximieren und Betriebskosten gleichzeitig zu minimieren.

Definitionen: Instandhaltung und Instandhaltungsmanagement

Instandhaltung ist nach DIN EN 13306 : 2018-02 „Instandhaltung – Begriffe der Instandhaltung“ bzw. DIN 31051 : 2019-06 „Grundlagen der Instandhaltung“ die „Kombination aller technischen und administrativen Maßnahmen sowie Maßnahmen des Managements während des Lebenszyklus eines Objekts, die dem Erhalt oder der Wiederherstellung seines funktionsfähigen Zustands dient, sodass es die geforderte Funktion erfüllen kann“. Ein Objekt ist dabei definiert als „Teil, Bauelement, Gerät, Teilsystem, Funktionseinheit, Betriebsmittel oder System, das/die für sich allein beschrieben und betrachtet werden kann“.

Instandhaltungsmanagement umfasst nach DIN EN 13306 umfasst das „alle Tätigkeiten des Managements, die die Anforderungen, Ziele, die Strategien und die Verantwortlichkeiten sowie die Durchführung der Instandhaltung bestimmen und sie durch Maßnahmen wie Instandhaltungsplanung, -steuerung und die Verbesserung der Instandhaltungstätigkeiten und deren Wirtschaftlichkeit verwirklichen“.

Die 4 Grundmaßnahmen der Instandhaltung

Instandhaltung wird in vier grundlegende Maßnahmen unterteilt: 

  1. Wartung: Regelmäßige Reinigung, Inspektion und Schmierung, um Abnutzung und Verschleiss zu reduzieren und den Soll-Zustand von Anlagen zu erhalten
  2. Inspektion: Regelmäßige Erfassung des Ist-Zustands, um Abnutzungen zu identifizieren und die Ursache zu finden
  3. Instandsetzung: Austausch und Reparatur von Anlagen oder Maschinenteilen, um den Soll-Zustand wieder zu erreichen
  4. Verbesserung: Alle Maßnahmen, welche die Maschinen- und Anlagenverfügbarkeit erhöhen und ungeplante Anlagenausfälle reduzieren.

DIN EN 13306

Die vier Grundmaßnahmen der Instandhaltung bzw. des Instandhaltungsmanagements werden nach DIN EN 13306 weiter weiter in den Kategorien „vorbeugende“ und „korrektive“ Instandhaltung zusammengefasst:

  1. Vorbeugende Instandhaltung: Hierunter fallen Präventivmaßnahmen. Das Ziel des proaktiven Konzepts ist die Aufrechterhaltung der Gebrauchsfähigkeit bzw. Verfügbarkeit des Instandhaltungsobjekts. Dies wird durch Wartungen und Inspektionen gewährleistet.
  2. Korrektive Instandhaltung ist reaktiv ausgelegt. Es wird nur eingegriffen, wenn die bestehende Anlage oder Einrichtung die an sie gestellten Anforderungen nicht (mehr) erfüllt. Hier setzt Instandsetzung an, aber auch Verbesserung.
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Grundlegende Prinzipien des Instandhaltungsmanagements

Im Instandhaltungsmanagement wird der gesamte Lebenszyklus einer Anlage berücksichtigt. Dabei stehen Entscheidungen im Vordergrund, ob bestehende Maschinenteile erhalten und repariert oder ersetzt werden. Die Überlegung betrifft technische, administrative und betriebswirtschaftliche Aspekte. Instandhaltungsmanagement wird in folgende Prinzipien unterteilt: 

1. Budgetierung

Instandhaltungsmanager stehen vor der Herausforderung, innerhalb eines strikten Budgets zu arbeiten. Um Anlagen in optimalem Zustand zu halten und unerwartete Stillstände zu vermeiden, ist eine klare Budgetübersicht erforderlich. Finanzielle Mittel müssen so eingesetzt werden, dass sie den größten Nutzen bringen, wobei ein Gleichgewicht zwischen Kosten und Langlebigkeit der Ersatzteile gewahrt werden muss.

2. Planung von Aufgaben

Eine effiziente Organisation der Aufgabenverteilung ist entscheidend, um Kosten für spontane Wartungseinsätze zu minimieren. Durch eine genaue Planung und Verteilung von Aufgaben an Techniker und Ingenieure kann der Produktionsablauf nahtlos fortgesetzt werden. Es ist wichtig, Wartungshistorien zu dokumentieren, um die verbleibende Lebensdauer von Anlagen einschätzen zu können.

3. Compliance

Die Einhaltung gesetzlicher Standards und Qualitätsrichtlinien ist ein fortwährender Prozess, der regelmäßige Aktualisierungen erfordert. Dokumentationen müssen stets auf dem neuesten Stand gehalten werden, um relevante Vorschriften einzuhalten. Schulungen und digitale Aufzeichnungen sind unverzichtbar, damit alle Betriebsabläufe aktuellen gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

4. Prozessoptimierung

Optimierung und Automatisierung von Prozessen trägt zur Steigerung der Effizienz und Langlebigkeit von Anlagen bei. Durch die Implementierung vorbeugender und vorausschauender Wartungsstrategien können unerwartete Anlagenausfälle vermieden werden. Die Priorisierung dringender Aufgaben und systematische Zuweisung an geeignete Techniker helfen, Engpässe zu verhindern und die Produktionskapazität zu maximieren.

 

Hauptziele des Instandhaltungsmanagements

Die Hauptziele des Instandhaltungsmanagements lassen sich in folgende Bereiche unterteilen:

Maximierung der Maschinen- und Anlagenverfügbarkeit

  • Reduzierung der Ausfallzeiten durch effiziente Wartungsplanung und schnelle Problemlösung => Höhere Anlagenverfügbarkeit führt zu stetiger Produktion und erhöhter Rentabilität.

Optimierung der Wartungskosten

  • Kontrolle und Reduzierung der Kosten für Wartungsmaßnahmen und Ersatzteile durch effizientes Ressourcenmanagement und präventive Maßnahmen. => Einsparungen in der Wartung verbessern die Gesamtprofitabilität des Unternehmens.

Verlängerung der Lebensdauer von Anlagen

  • Implementierung von Maßnahmen, welche die Abnutzung und den Verschleiß von Anlagen und Maschinen minimieren und ihre Betriebsdauer verlängern. => Längere Nutzungsdauer bedeutet weniger Investitionen in neue Anlagen.

Sicherstellung der Betriebssicherheit

  • Gewährleistung, dass alle Anlagen sicher und zuverlässig funktionieren, um Unfälle und gesundheitliche Risiken zu vermeiden. => Ein sicheres Arbeitsumfeld schützt Mitarbeiter und minimiert das Risiko von Haftungsansprüchen.

Verbesserung der Betriebseffizienz

  • Optimierung der Wartungsprozesse, um die Leistung und Effizienz der Anlagen zu steigern. => Effiziente Anlagen tragen zur Steigerung der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit bei.

Strategien des Instandhaltungsmanagements

Strategische Instandhaltung erfordert ein strukturiertes und vorausschauendes Vorgehen. Um langfristige Ziele zu erreichen, wird ein verbindlicher Wartungsplan entwickelt und umgesetzt, der die einzelnen Schritte der Instandhaltung klar definiert. In dem Plan werden Zeitpunkte, Umfang und Intervalle für regelmäßige proaktive Wartungsmaßnahmen und reaktive Instandhaltungsmaßnahmen festgelegt. Im Instandhaltungsmanagement wird zwischen folgenden Strategien unterschieden:

Reaktive Wartung (Breakdown Maintenance)

Die Methode kommt zum Einsatz, wenn eine Anlage ausfällt und sofortige Reparatur erforderlich ist. (I.d.R. die teuerste Form der Instandhaltung, da ungeplante Ausfälle zu Produktionsstillständen und hohen Reparaturkosten führen).

Beispiel: Ein Förderband in einer Produktionslinie fällt aus, und die Produktion steht still, bis notwendige Reparaturen erledigt sind.

Vorbeugende Wartung (Preventive Maintenance)

Geplante Wartungsmaßnahmen in festgelegten Wartungsintervallen oder Nutzungszeiträumen, um die Wahrscheinlichkeit von Ausfällen zu minimieren.

Beispiel: Regelmäßige Ölwechsel bei Anlagen und Maschinen, um  Verschleiß zu reduzieren und die Lebensdauer von Anlagen zu erhöhen.

Zustandsorientierte Wartung (Condition-Based Maintenance)

Nutzt Echtzeitdaten und Zustandsüberwachung (Condition Monitoring), um Wartungsentscheidungen auf Grundlage des Ist-Zustands von Anlagen zu treffen.

Beispiel: Sensoren überwachen Vibrationen einer Pumpe: sobald Schwellenwerte überschritten sind, wird eine Wartung eingeleitet.

Prädiktive Wartung (Predictive Maintenance)

Nutzung fortschrittlicher Analysetools und Algorithmen, um zukünftige Ausfälle vorherzusagen und Wartung rechtzeitig durchzuführen.

Beispiel: Einsatz von maschinellem Lernen zur Vorhersage von Lagerausfällen in rotierenden Maschinen, basierend auf historischen Anlagendaten und aktuellen Messdaten.

Total Productive Maintenance (TPM)

Ein umfassender Ansatz, der Mitarbeiter in den Wartungsprozess einbezieht, um die Anlagenleistung zu maximieren und die Produktivität zu steigern.

Beispiel: Schulung von Maschinenführern, um einfache Wartungsaufgaben durchzuführen und frühzeitig Probleme zu erkennen.

FAQ | Instandhaltungsmanagement

Die Instandhaltung wird in vier Grundmaßnahmen unterteilt: Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung. Diese Maßnahmen helfen, den funktionsfähigen Zustand von Anlagen zu erhalten oder wiederherzustellen.

Instandhaltung umfasst Tätigkeiten, um den Betriebszustand von Anlagen zu bewahren oder wiederherzustellen. Dies betrifft nicht nur vorbeugende Maßnahmen, sondern auch die Reparatur defekter Teile und Austausch von Maschinenteilen. Ziel der Instandhaltung ist, die Funktionsfähigkeit von Anlagen zu gewährleisten.

Wartung hingegen ist ein Teil der Instandhaltung, der sich auf regelmäßige Pflege und Wartungsmaßnahmen konzentriert, um Anlagen in einem guten Betriebszustand zu halten. Hierzu gehören Reinigen, Schmieren, Justieren und Nachfüllen von Betriebsstoffen wie Öl oder Kühlmittel, um Verschleiß zu minimieren.

Instandhaltung umfasst Maßnahmen, die notwendig sind, um den vertragsgemäßen Zustand eines Objekts zu erhalten. Hierzu zählen regelmäßige Wartungsarbeiten, die vorbeugend durchgeführt werden, um Funktionalität sicherzustellen. Im Gegensatz dazu bezieht sich Instandsetzung auf Reparaturmaßnahmen, die erforderlich sind, um einen bereits eingetretenen, vertragswidrigen Zustand zu beheben. Während Instandhaltung vorbeugend wirkt, greift Instandsetzung korrigierend ein, um Schäden zu reparieren.

Hauptziele sind die Maximierung der Anlagenverfügbarkeit, Reduzierung der Ausfallzeiten, Optimierung der Wartungskosten, Verlängerung der Lebensdauer von Anlagen, Sicherstellung der Betriebssicherheit und Verbesserung der Betriebseffizienz.

Es gibt mehrere Strategien, darunter reaktive Wartung, vorbeugende Wartung, zustandsorientierte Wartung, prädiktive Wartung und Total Productive Maintenance (TPM). Jede Strategie hat ihre eigenen Methoden und Ziele zur Verbesserung der Instandhaltungseffizienz

In der Instandhaltung kommen folgende spezialisierte Software-Systeme zum Einsatz:

  1. Computerized-Maintenance-Management-Systeme (CMMS)
  2. Manufacturing-Execution-Systeme (MES)
  3. Enterprise-Asset-Management-Programme (EAM)

Diese Systeme werden häufig in Verbindung mit Lösungen zur Gesamtanlageneffektivität (OEE) verwendet, um eine umfassende Leistungssteigerung zu erreichen.

Neue Technologien wie Echtzeit-Überwachungssysteme (Condition Monitoring), maschinelles Lernen und Augmented Reality (AR) revolutionieren die Instandhaltung. Sie ermöglichen vorausschauende Wartung, reduzieren Ausfallzeiten und verbessern die Effizienz und Genauigkeit der Wartungsarbeiten.

Image: Adobe Stock – Copyright: © VIEWFOTO STUDIO – stock.adobe.com

Arne Reis

Gründer

Arne Reis, Founder of flowdit

Kombiniert praktische Innovation mit einem Schwerpunkt auf Qualität.

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