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Retro-Commissioning: Grundlagen und Einordnung im Gebäudebetrieb

Retro-Commissioning ist die Inbetriebnahme, angewandt auf ein bereits genutztes Gebäude: Man findet heraus, wo seine Systeme vom effizienten Betrieb abgedriftet sind, und stellt sie wieder darauf ein. Die Neubau-Inbetriebnahme weist ein System am ersten Tag nach, Retro-Commissioning holt ein System zurück, das oft über Jahre gelaufen ist, ohne je optimiert worden zu sein.

Warum ist Retro-Commissioning wichtig?

Über Jahre voller Übersteuerungen, kleiner Eingriffe und Verschleiß driften die Systeme eines Gebäudes aus dem effizienten Betrieb und treiben still die Energiekosten und die Komfortbeschwerden nach oben. Retro-Commissioning ist wichtig, weil es diese verlorene Leistung ohne großes Investitionsprojekt zurückholt, indem es die vorhandenen Systeme wieder so einstellt, wie sie laufen sollten. Bleibt die Drift unangetastet, verstärkt sie sich weiter, und die Gebäudewartung jagt Symptomen hinterher statt der Ursache.

Wann braucht ein Gebäude Retro-Commissioning?

Die Anzeichen stecken meist in der Energieabrechnung und im Beschwerdeprotokoll:
● Der Energieverbrauch ist ohne erkennbaren Grund gestiegen.
● Komfortbeschwerden kommen immer wieder, hier zu warm, dort zu kalt.
● Regelungen wurden übersteuert und nie zurückgesetzt.
● Das Gebäude wurde nie in Betrieb genommen, oder seit einem Jahrzehnt nicht mehr geprüft.
● Technik läuft, obwohl die Räume leer sind.

Wie unterscheidet sich Retro-Commissioning von der Inbetriebnahme?

Beim Neubau steht die Planung als Maßstab fest, beim Bestandsgebäude muss er erst erhoben werden. Die Neubau-Inbetriebnahme prüft die Systeme an der erstmals erstellten Planung.

 

Retro-Commissioning setzt an einem genutzten Gebäude an, für das keine dokumentierte Ausgangsbasis vorliegt. Deshalb steht die Untersuchung am Anfang: den aktuellen Betriebszustand messen, die Abweichungen vom ausgelegten Zustand ermitteln und anschließend korrigieren. Die kontinuierliche Inbetriebnahme führt diesen Ansatz dauerhaft fort und hält den Betriebszustand über das ganze Jahr. Die dauerhaften Gewinne sichert am Ende die Gebäudewartung.

Retro-Commissioning vs Neubau-Inbetriebnahme 

Beide prüfen dieselbe Technik, nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlichem Maßstab.

AspektRetro-CommissioningNeubau-Inbetriebnahme
GegenstandEin Bestandsgebäude, das nie systematisch in Betrieb genommen wurdeEin Neubau oder eine neu errichtete Anlage vor der Übergabe
PrüfmaßstabWird erst erarbeitet: heutige Nutzung, Belegung und Betriebszeiten ergeben die SollwerteLiegt vor: Planungsvorgaben, Auslegungsdaten und vertraglich zugesicherte Werte
Erste SchritteBestand aufnehmen, Verbräuche und Betriebsdaten auswerten, Auffälligkeiten eingrenzenPrüfplan aufsetzen, Montage kontrollieren, Funktionstests nach Gewerken abarbeiten
RandbedingungenBetrieb läuft weiter, Tests nur in Randzeiten, Dokumentation oft lückenhaftAnlage noch nicht übergeben, Nachbesserung liegt beim ausführenden Unternehmen
Typische BefundeÜberschriebene Regelparameter, deaktivierte Zeitprogramme, gleichzeitiges Heizen und Kühlen, verstellte SollwerteVertauschte Fühler, fehlerhafte Verriegelungen, nicht umgesetzte Regelsequenzen, fehlende Einregulierung
ErgebnisGeringerer Energieverbrauch und stabilerer Betrieb, meist ohne größere InvestitionBelegte Abnahme mit dokumentierten Messwerten als Grundlage für Gewährleistung

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