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Fehlerbaumanalyse (FTA): Grundlagen, Anwendung & Unterschied zur FMEA

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Fehlerbaumanalyse (FTA): Grundlagen, Anwendung & Unterschied zur FMEA

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Fehlerbaumanalyse (FTA) Diagramm zur systematischen Identifikation von Fehlerursachen in einem Prozess

Zusammenfassung: Stellen Sie sich vor, eine kritische Produktionsanlage fällt aus. Die Folgen? Produktionsstillstand, enttäuschte Kunden und erhebliche finanzielle Verluste. Genau hier kommt die Fehlerbaumanalyse ins Spiel: eine effektive Methode, die Ihnen, als Betriebsleiter, Instandhaltungs-Manager oder Qualitätsmanager, hilft, solche Szenarien zu verstehen, vorherzusagen und zu vermeiden. Die Methode ermöglicht es, durch die Identifizierung aller möglichen Fehlerursachen gezielt Systemausfälle verhindern zu können, bevor sie überhaupt eintreten. Durch logische Verknüpfungen zwischen einzelnen Ereignissen lässt sich nachvollziehen, wie verschiedene Faktoren zusammenwirken und zum Gesamtausfall führen. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit, die Ausfallwahrscheinlichkeit zu berechnen und Risiken quantifizierbar zu machen.

Was ist eine Fehlerbaumanalyse (Fault Tree Analysis)?

Die Fehlerbaumanalyse (FTA, Fault Tree Analysis) ist eine systematische, deduktive Methode zur Identifikation und Bewertung kritischer Fehlerquellen in komplexen Systemen. Bei der FTA wird ein definiertes, unerwünschtes Ereignis (z.B. ein Maschinenausfall oder Produktionsfehler) als Ausgangspunkt genommen und von dort aus rückwärts gearbeitet. Das Problem wird systematisch in seine Bestandteile zerlegt, bis die grundlegenden Ursachen identifiziert sind. Dabei entsteht eine baumartige Struktur, die alle möglichen Kombinationen von Ereignissen zeigt, welche zum Hauptproblem führen können. Die Methode nutzt boolesche Logik und grafische Darstellungen, um die Zusammenhänge zwischen Fehlerursachen und deren Auswirkungen zu visualisieren und zu quantifizieren.

Historischer Hintergrund

Die Technik wurde in den 1960er Jahren bei Bell Laboratories für die Raumfahrt entwickelt und hat sich seitdem in der Industrie etabliert. Die FTA findet vor allem in sicherheitskritischen Branchen Anwendung, darunter Luftfahrt, Nukleartechnik, Chemie und Prozessindustrie.

Wie transformieren Sie komplexe Fehlerbäume in klare Maßnahmen?

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Grundelemente eines Fehlerbaums

Ein Fehlerbaumdiagramm ist die grafische Darstellung der Fehlerbaumanalyse. Es zeigt in Form einer Baumstruktur, wie verschiedene Ereignisse und Ursachen zu einem unerwünschten Hauptereignis führen können.


Das Diagramm beginnt oben mit dem Top-Event (z.B. ein Systemausfall oder eine Abweichung der Produktqualität) und verzweigt sich nach unten zu allen möglichen Ursachen. Die einzelnen Elemente werden durch logische Verknüpfungen (sog. Gatter) miteinander verbunden. Die häufigsten sind das UND-Gatter, bei dem alle darunter liegenden Ereignisse gleichzeitig eintreten müssen, und das ODER-Gatter, bei dem bereits ein Ereignis ausreicht, um das übergeordnete Ereignis auszulösen.


Die Baumstruktur endet bei den sog. Basisereignissen, den grundlegenden Fehlerursachen, die nicht weiter zerlegt werden. Durch die hierarchische Darstellung wird sichtbar, welche Ereigniskombinationen kritisch sind und wo Schwachstellen im System liegen.

➤ Das Diagramm dient sowohl der visuellen Kommunikation als auch als Grundlage für quantitative Berechnungen der Ausfallwahrscheinlichkeiten.


Symbole der FTA-Analyse

Symbole der Fehlerbaumanalyse zur Darstellung von Ereignissen und logischen Verknüpfungen in Fehlerbäumen

Anwendungsbereiche der Fehlerbaumanalyse

Die Fehlerbaumanalyse (FTA) wird überall dort eingesetzt, wo ein systemweiter Blick auf Ausfallrisiken, Wechselwirkungen und logische Fehlerzusammenhänge erforderlich ist:


  • Produktentwicklung & -design (Absicherung sicherheitskritischer Funktionen)

  • Sicherheitsanalysen technischer Systeme

  • Qualitäts- und Zuverlässigkeitsmanagement

  • Risikobewertungen in kritischen Infrastrukturen

  • Instandhaltung, Störungsanalyse und systematische Fehlerursachenermittlung

  • Root Cause Analyse bei Abweichungen, Reklamationen und Beinahe-Fehlern


➤ Ziel ist es, kritische Fehlerpfade zu identifizieren, Prioritäten zu setzen und gezielte Maßnahmen (technisch, organisatorisch oder instandhaltungsbezogen) abzuleiten.

Wie funktioniert eine FTA?

Jetzt wird es konkret. Wie bauen Sie tatsächlich einen Fehlerbaum auf? Der Prozess folgt einer klaren Struktur, die sich in jeder Branche bewährt hat.

Schritt 1: Definieren Sie das Top-Ereignis

Hier entscheidet sich oft schon der Erfolg oder Misserfolg Ihrer Analyse. Ihr Top-Ereignis muss spezifisch genug sein, um verwertbare Ergebnisse zu liefern, aber breit genug, um alle relevanten Ursachen zu erfassen.

„Maschine funktioniert nicht“ ist zu vage. Besser wäre: „Fräsmaschine Typ XY stoppt während des Betriebs unerwartet“. Je genauer Sie hier arbeiten, desto nützlicher wird Ihr Fehlerbaum.

Schritt 2: Identifizieren Sie die direkten Ursachen

Fragen Sie sich: Was muss unmittelbar vor dem Top-Ereignis passieren, damit es eintritt? Dabei geht es noch nicht um die tiefsten Ursachen, sondern um die direkte Ebene darunter.

Bei unserem Fräsmaschinen-Beispiel könnten das sein: Überhitzung, Stromausfall, mechanischer Defekt oder Softwarefehler. Diese Ereignisse verbinden Sie dann mit dem entsprechenden logischen Gatter zum Top-Ereignis.

Schritt 3: Arbeiten Sie sich systematisch nach unten

Jetzt nehmen Sie sich jedes dieser Ereignisse vor und fragen erneut: Was kann dazu führen? Dieser Prozess wiederholt sich, bis Sie bei Basisereignissen ankommen, die nicht sinnvoll weiter zerlegt werden können.

Wichtig ist dabei, dass Sie konsequent bleiben. Behandeln Sie jeden Zweig Ihres Baums mit der gleichen Sorgfalt. Oft verbirgt sich die kritische Schwachstelle dort, wo man sie nicht erwartet.

Schritt 4: Überprüfen Sie die Logik

Gehen Sie Ihren fertigen Baum kritisch durch. Stimmen die logischen Verknüpfungen? Haben Sie alle relevanten Pfade erfasst? Hier lohnt es sich, Kollegen einzubeziehen, die andere Perspektiven einbringen können.

Quantitative Auswertung

Ein qualitativer Fehlerbaum zeigt Ihnen die Struktur möglicher Fehler. Aber wenn Sie wirklich fundierte Entscheidungen treffen wollen, müssen Sie einen Schritt weitergehen und Wahrscheinlichkeiten ins Spiel bringen.


Die quantitative FTA weist jedem Basisereignis eine Ausfallwahrscheinlichkeit zu. Diese Zahlen können aus historischen Daten stammen, von Herstellerangaben oder aus Erfahrungswerten. Mit mathematischen Formeln berechnen Sie dann die Wahrscheinlichkeit des Top-Ereignisses.


Stellen Sie sich vor, Sie haben zwei unabhängige Basisereignisse, die über ein UND-Gatter verbunden sind. Ereignis A tritt mit 5% Wahrscheinlichkeit auf, Ereignis B mit 10%. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide gleichzeitig eintreten, liegt bei 0,5%. Bei einem ODER-Gatter würden Sie dagegen auf etwa 14,5% kommen.


Diese Berechnungen werden komplex, sobald Ihr Baum wächst. Softwaretools nehmen Ihnen diese Arbeit ab und liefern zusätzlich wertvolle Insights wie Critical Path Analysen oder Importance Measures.

FTA in der Praxis: Ein Beispiel aus der Produktion

Zur Veranschaulichung der Methodik wird ein Anwendungsfall aus der industriellen Lackiertechnik betrachtet. Nehmen wir an, in Ihrer Lackieranlage kommt es immer wieder zu Qualitätsmängeln bei der Oberflächenbeschichtung.


Ihr Top-Ereignis lautet: "Unzureichende Lackqualität am Werkstück". Auf der ersten Analyseebene darunter werden vier mögliche Ausfallmodi identifiziert: abweichende Lackdicke, inhomogene Schicht-Verteilung, Kontamination der Oberfläche oder unvollständige Aushärtung. Diese Ereignisse verbinden Sie mit einem ODER-Gatter, denn jedes einzelne führt zum Qualitätsmangel.


Schauen wir uns das Teilereignis "falsche Lackdicke" genauer an. Hier könnten Sie weiterverzweigen in: erhöhter Applikationsdruck, von der Spezifikation abweichende Lackviskosität, fehlerhafte Düsen-Positionierung oder Verstopfungen im Fördersystem. Je nach Ihrer Anlage ist das ein UND- oder ODER-Gatter.


Das Teilereignis "abweichende Lackviskosität wiederum kann entstehen durch: Temperaturabweichungen im Vorratsbehälter, fehlerhafte Dosierung oder veraltetes Material. Und so arbeiten Sie sich weiter vor, bis Sie bei messbaren, konkreten Basisereignissen landen.


Am Ende haben Sie ein klares Bild davon, welche Faktoren Ihre Lackqualität beeinflussen und wie sie zusammenhängen. Das ermöglicht eine Identifikation kritischer Einflussfaktoren, und dort anzusetzen, wo Sie den größten Hebel haben.

Unterschiede zwischen FTA und FMEA

Die Fehlerbaumanalyse (FTA) und die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA) verfolgen grundlegend unterschiedliche Ansätze: Während die FTA von einem konkreten Fehler ausgeht und rückwärts nach den Ursachen sucht, arbeitet die FMEA vorwärtsgerichtet. Sie durchleuchtet Komponenten und Prozesse systematisch auf mögliche Fehler, bevor diese auftreten.


Bei der FTA steht ein spezifisches Problem im Fokus, etwa der Ausfall einer Pumpe. Die Analyse zerlegt dieses Ereignis Schritt für Schritt bis zu den Wurzelursachen. Die FMEA hingegen betrachtet jedes Bauteil, jeden Prozessschritt und fragt: Was könnte hier schiefgehen? Welche Auswirkungen hätte das? Wie wahrscheinlich ist es?


Ein weiterer Unterschied liegt in der Quantifizierung: Die FTA berechnet konkrete Ausfallwahrscheinlichkeiten durch logische Verknüpfungen, was besonders bei der Bewertung sicherheitskritischer Szenarien hilfreich ist. Die FMEA arbeitet mit Risikoprioritätszahlen, die Auftretenswahrscheinlichkeit, Bedeutung und Entdeckungswahrscheinlichkeit kombinieren.

Kriterium FTA (Fehlerbaumanalyse) FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse)
Ansatz Top‑Down (ausgehend vom Fehler) Bottom‑Up (ausgehend von möglichen Fehlern)
Ziel Ursachenanalyse eines bestimmten Fehlers Systematische Erfassung aller möglichen Fehlerarten
Darstellung Logische Baumstruktur Tabellen & Listen
Detaillierungsgrad Sehr gut bei systemweiten Ketten Sehr gut bei Einzelkomponenten
Quantifizierung Kann probabilistisch sein Oft qualitativ oder mittels Risikoprioritätszahl (RPN)
Ansatz zur Fehleridentifikation Deduktiv Induktiv
Hauptfokus Ermittlung der Fehlerursachen und deren Verknüpfungen Identifikation und Bewertung der potenziellen Fehlerursachen
Verwendung Vor allem in sicherheitskritischen Bereichen (z. B. Luftfahrt, Automobilindustrie, Nuklear) Häufig in der Produktentwicklung und Prozessgestaltung
Ergebnis Baumdiagramm, das zeigt, wie Fehler zusammenhängen und welche Ursachen zu einem Endfehler führen Tabelle mit einer Risikoprioritätszahl (RPZ), die Fehlerquellen priorisiert
Risikobewertung Kombination der Wahrscheinlichkeiten von Fehlerereignissen entlang des Fehlerbaums Risikoprioritätszahl (RPZ) basiert auf Schwere, Auftretenswahrscheinlichkeit und Entdeckungswahrscheinlichkeit
Beispiel Analyse von Ausfällen eines Flugzeugsystems, bei dem mehrere Ursachen zu einem Unfall führen könnten Analyse von Fehlern in der Produktentwicklung, z. B. beim Design eines Autos, um Schwachstellen zu erkennen
Vorteil Bietet eine klare Visualisierung der Ursachen und deren Verbindungen Priorisiert Fehlerquellen, um Ressourcen effizient auf die kritischsten Risiken zu fokussieren
Nachteile Kann sehr komplex und schwer verständlich werden, insbesondere bei großen Systemen Kann in komplexen Systemen viele potenzielle Fehlerquellen aufführen, was die Priorisierung erschwert

➤ In der Praxis ergänzen sich beide Methoden. Die FMEA eignet sich besonders in der Entwicklungsphase zur präventiven Fehlervermeidung. Die FTA kommt zum Einsatz, wenn es um die Analyse bekannter kritischer Ereignisse oder die Untersuchung bereits eingetretener Ausfälle geht.

Kostenloses FMEA-Formblatt (PDF) 

Welche Fehler sollten Sie bei der Modellierung von Fehlerbäumen vermeiden?

❌ Unvollständige Fehleridentifikation

Nicht alle relevanten Betriebszustände werden berücksichtigt - Anfahrvorgänge, Wartungsarbeiten oder Teillastbetrieb fehlen häufig in der Analyse.

❌ Ungeprüfte Annahmen

Systemverhalten wird ohne Abgleich mit Herstellerdaten, Betriebserfahrungen oder technischen Spezifikationen festgelegt, was zu ungenauen Annahmen führt.

❌ Fehlende Wechselwirkungen

Abhängigkeiten zwischen Komponenten, wie etwa gemeinsame Stromversorgungen oder Steuerungssysteme, werden oft nicht berücksichtigt.

❌ Ungenaue Ausfallwahrscheinlichkeiten

Die Eintrittswahrscheinlichkeiten basieren nicht auf verlässlichen Quellen wie Felddaten, Normwerten oder Herstellerangaben.

❌ Falsche Detailtiefe

Der Fehlerbaum ist entweder zu komplex und schwer verständlich oder zu vereinfacht, wodurch kritische Fehlerquellen unberücksichtigt bleiben.

❌ Vernachlässigung seltener Fehler

Ereignisse mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, jedoch hohem Schadenspotenzial (z. B. Blitzschlag oder Korrosion), werden häufig ausgeblendet.

❌ Fehlende Expertenvalidierung

Die Analyse wird nicht ausreichend durch Fachpersonal aus Betrieb, Instandhaltung oder Sicherheitstechnik validiert.

❌ Fehlerhafte Logikverknüpfungen

UND- und ODER-Gatter werden nicht korrekt auf die tatsächliche Fehlerlogik angewendet, was zu falschen Ergebnissen führen kann.

❌ Mangelhafte Dokumentation

Eine unzureichende Dokumentation - einschließlich fehlender Versionierung, unklarer Definitionen und unvollständiger Nachweise - gefährdet die Nachvollziehbarkeit.

❌ Fehlende Konsequenzbewertung

Die Auswirkungen eines Fehlers auf Sicherheit, Verfügbarkeit, Umwelt und Wirtschaftlichkeit werden nicht ausreichend bewertet.

❌ Zu breites Top‑Event ohne klare Abgrenzung

Das Top‑Event ist zu allgemein und kann nicht klar von anderen Fehlerursachen abgegrenzt werden.

❌ Fehlende oder unklare logische Verbindungen

Die logischen Verbindungen zwischen den Fehlerursachen und deren Auswirkungen sind nicht eindeutig.

❌ Vernachlässigung externer Einflussfaktoren

Externe Faktoren wie Umwelteinflüsse oder Wechselwirkungen mit anderen Systemen werden nicht in die Analyse einbezogen.

❌ Keine regelmäßige Validierung der Analyse

Die Analyse wird nicht regelmäßig überprüft oder angepasst, um Änderungen im Betrieb oder neue Erkenntnisse zu berücksichtigen.

Wie verankern Sie FTA systematisch im Risikomanagement?

Die Fehlerbaumanalyse sollte kein isoliertes Instrument sein, das Sie nur gelegentlich herausholen. Am wirkungsvollsten ist sie als integraler Bestandteil Ihres umfassenden Risikomanagements.


Nutzen Sie FTA systematisch bei der Planung neuer Anlagen oder Prozesse. Investieren Sie die Zeit, kritische Szenarien durchzuspielen, bevor sie real werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten direkt in Ihre Design-Entscheidungen einfließen, um Risiken von vornherein zu minimieren.


Auch bei wiederkehrenden Audits und Reviews erweist sich FTA als wertvoll. Systeme und Prozesse verändern sich ständig, neue Risiken entstehen, alte verschwinden. Aktualisieren Sie Fehlerbäume regelmäßig, und sie bleiben ein aktuelles und praxisrelevantes Werkzeug.


Verbinden Sie Ihre FTA-Ergebnisse mit konkreten Maßnahmen. Wenn Sie kritische Pfade identifiziert haben, definieren Sie geeignete Überwachungsstrategien, präventive Wartungsintervalle oder zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. Dokumentieren Sie diese Entscheidungen und deren Begründung.

Digitale Tools zur Erstellung von Fehlerbäumen

Die manuelle Erstellung von Fehlerbaumanalysen führt bei komplexen Systemen zu erheblichen Problemen: Wahrscheinlichkeitsberechnungen sind fehleranfällig, die Identifikation kritischer Pfade zeitaufwändig, und die Aktualisierung bei Systemänderungen bindet unverhältnismäßig viele Ressourcen. Zudem müssen Fehlerbäume dokumentiert, versioniert und in Audits nachgewiesen werden.


Hier unterstützen digitale Werkzeuge auf unterschiedlichen Ebenen: Spezialisierte FTA-Software bietet grafische Editoren, automatisierte Berechnungen von Minimal Cut Sets und Systemzuverlässigkeit. Für Unternehmen, die Fehlerbaumanalysen im Kontext normierter Qualitätsprozesse einsetzen, empfiehlt sich die Integration in Qualitätsmanagementsysteme. Lösungen wie flowdit ermöglichen die strukturierte Dokumentation von Risikoanalysen, verknüpfen Fehlerbäume mit Korrekturmaßnahmen und Auditprozessen und gewährleisten durchgängige Nachvollziehbarkeit.


Die Wahl hängt vom Einsatzzweck ab: Dedizierte FTA-Tools für tiefgehende probabilistische Analysen, QMS-Lösungen für die systematische Einbettung in bestehende Qualitätsprozesse.

Von der Analyse zur Umsetzung: flowdit als QMS-Lösung

Kennen Sie das Problem? Sie haben aufwändig Fehlerbäume erstellt, Ursachen identifiziert und Wahrscheinlichkeiten berechnet. Doch die gewonnenen Erkenntnisse verschwinden in statischen Dokumenten, werden bei der nächsten Schichtübergabe nicht weitergegeben, und bei wiederkehrenden Störungen beginnen Sie wieder bei Null. Die wahre Herausforderung liegt nicht in der Analyse selbst, sondern darin, das gewonnene Wissen dauerhaft verfügbar zu machen und es in konkrete Verbesserungsmaßnahmen zu überführen.

flowdit schließt diese Lücke zwischen Analyse und operativer Umsetzung.

Die App für Qualitätsmanagement und Risikoanalyse dokumentiert Ihre Fehlerbaumanalysen systematisch und verknüpft sie intelligent mit Störungsmeldungen, Wartungshistorien und Qualitätsdaten. Tritt ein Problem auf, sehen Sie sofort relevante Fehlerpfade und bisherige Lösungsansätze. Neue Erkenntnisse lassen sich nahtlos in bestehende FTA-Analysen integrieren.

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FAQ | Fehlerbaumanalyse

Die Fehlerbaumanalyse (FTA) ist eine systematische Methode zur Identifikation von Fehlerursachen in komplexen Systemen. Sie visualisiert mögliche Fehler und deren Ursachen in einem Baumdiagramm und zeigt deren Wechselwirkungen auf. Die Methode dient hauptsächlich der Risikobewertung, Sicherheitserhöhung und Früherkennung von Fehlern.

Für eine Fehlerbaumanalyse (FTA) wird zunächst eine durchgeführte FMEA benötigt, die alle relevanten Fehlerarten systematisch identifiziert hat. Die FTA selbst erfordert ein klar definiertes Top-Ereignis sowie die Kenntnis der logischen Verknüpfungen (UND/ODER-Beziehungen) zwischen den Komponentenausfällen, die zu diesem Ereignis führen können. Für eine quantitative FTA werden zusätzlich Ausfallraten oder MTBF-Werte der betrachteten Komponenten benötigt, um die Eintrittswahrscheinlichkeiten kritischer Fehlerpfade berechnen zu können.

Das „Top-Ereignis“ in der Fehlerbaumanalyse ist der wichtigste Fehler oder das Hauptproblem, das untersucht wird. Es wird basierend auf dem größten Risiko oder der schwerwiegendsten Auswirkung ausgewählt. Die Auswahl erfolgt durch eine Bewertung der möglichen Gefahren und deren Auswirkungen.

Basisereignisse, auch Grundfehler genannt, sind die kleinsten, nicht weiter zerlegbaren Fehler oder Ereignisse in einer Fehlerbaumanalyse. Sie stellen die Ausgangspunkte für die Analyse dar und sind in der Regel einfache, sofort erkennbare Fehlerursachen wie ein Systemausfall oder ein defektes Bauteil.

In einem Fehlerbaum gibt es hauptsächlich die logischen Gates UND und ODER:

  • UND-Gate: Ein Fehler tritt nur ein, wenn alle Eingabefehlermeldungen wahr sind. Es verknüpft Ereignisse, die gemeinsam zu einem Ausfall führen müssen (z. B. beide Komponenten müssen ausfallen, damit der Fehler auftritt).
  • ODER-Gate: Ein Fehler tritt ein, wenn mindestens eines der Eingabefehlermeldungen wahr ist. Es zeigt alternative Wege zum Top-Ereignis an (z. B. reicht der Ausfall einer von mehreren Komponenten, um das System zu beeinträchtigen).

➤ Gates helfen dabei, die komplexen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Fehlerursachen zu modellieren.

Die kritischen Pfade im Fehlerbaum werden identifiziert, indem man die möglichen Kombinationen von Basisereignissen verfolgt, die zum Top-Ereignis führen. Dabei wird analysiert, welche Fehlerereignisse und -kombinationen am stärksten zur Wahrscheinlichkeit des Top-Ereignisses beitragen. Kritische Pfade sind jene Verbindungen im Baum, bei denen selbst kleine Änderungen die höchste Auswirkung auf das Gesamtrisiko haben. Tools wie die Minimal-Cut-Set-Analyse helfen, diese Pfade zu isolieren und gezielt zu bewerten.

Eine qualitative FTA identifiziert mögliche Fehler und ihre Ursachen, ohne dabei Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, und bewertet die Schwere des Risikos.

Eine quantitative FTA berechnet Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten von Fehlern und die Häufigkeit von Ereignissen um genauere Risiken und ihre Auswirkungen zu quantifizieren.

Für die quantitative Bewertung benötigt man Daten zu den Eintrittswahrscheinlichkeiten der Basisereignisse, historischen Ausfallraten und relevanten Betriebsdaten. Diese Werte werden aus Erfahrungswerten, Systemdokumentationen oder ähnlichen Systemen abgeleitet.

Minimal Cut Sets (MCS) sind die kleinsten Kombinationen von Basisereignissen, deren gemeinsames Auftreten zum Top-Ereignis führt. Sie zeigen die kritischsten Fehlerkombinationen, die das System versagen lassen. In der Fehlerbaumanalyse werden MCS verwendet, um die Wahrscheinlichkeit eines Systemausfalls zu berechnen, indem man die Wahrscheinlichkeiten der Basisereignisse in den MCS kombiniert. Je weniger Ereignisse in einem MCS vorhanden sind, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten eines Systemfehlers.

FTA ist besser geeignet, um potenzielle Fehler frühzeitig zu identifizieren und Risiken systematisch zu bewerten. RCA hingegen wird verwendet, um die Ursachen bereits aufgetretener Fehler zu analysieren und zu beheben.

Die Fehlerbaumanalyse (FTA) kann mit Six Sigma und 8D-Reportings verbunden werden, indem sie als Werkzeug zur Ursachenanalyse und Risikobewertung dient. In Six Sigma hilft die FTA, kritische Fehlerquellen zu identifizieren und zu quantifizieren, um den DMAIC-Prozess zu unterstützen. Bei 8D-Reportings wird FTA in der Ursachenanalyse eingesetzt, um die Wurzeln von Fehlern systematisch zu ermitteln und gezielte Korrekturmaßnahmen zu entwickeln.

Sowohl FTA als auch HAZOP identifizieren Risiken, aber FTA analysiert systematisch Fehlerursachen und ihre Auswirkungen auf ein Top-Ereignis. HAZOP untersucht hingegen durch gezielte Fragen Abweichungen in Betriebsbedingungen und potenzielle Gefahren. FTA wird oft präventiv eingesetzt, HAZOP eher bei bestehenden Systemen.

Fehlerbaum-Modelle lassen sich in Checklisten-Software integrieren, indem Fehlerursachen und ihre Auswirkungen als strukturierte Fragen oder Schritte in die Checklisten übernommen werden. Jede potenzielle Fehlerursache wird als Checklistenpunkt abgebildet, wobei Benutzer die Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere bewerten. Dadurch werden Fehlerbäume direkt in den Audit-Prozess eingebunden, um Risiken systematisch zu identifizieren und zu dokumentieren. 

Image: Adobe Stock – Copyright: ©  sulit.photos – stock.adobe.com

Marion Heinz
Editor
Content writer with a background in Information Management, translating complex industrial and digital transformation topics into clear, actionable insights. Keen on international collaboration and multilingual exchange.

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