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Was ist Ausfallzeit?

Ausfallzeit (auch: Downtime, Maschinenausfallzeit oder ungeplante Stillstandszeit) bezeichnet den Zeitraum, in dem eine Maschine, Anlage oder ein System nicht betriebsbereit ist und keine wertschöpfende Leistung erbringt. Die Ursachen liegen in technischen Störungen, Wartungsarbeiten, Materialfehlern oder organisatorischen Faktoren und zählen zu den teuersten Verlustfaktoren in Produktion und Betrieb.

In welchen Bereichen wird Ausfallzeit erfasst und ausgewertet?

Ausfallzeit ist ein zentraler KPI in der Instandhaltung, Produktion und im Qualitätsmanagement. Die Kennzahl hilft dabei, Schwachstellen in Anlagen und Prozessen zu identifizieren und zu beheben.

Typische Einsatzbereiche:

    • Produktion und Fertigung: Plant Manager nutzen Ausfallzeiten als Grundlage für die OEE-Berechnung (Overall Equipment Effectiveness) und die Kapazitätsplanung.
    • Instandhaltung: Field Service Manager und Maintenance-Teams analysieren Ausfallzeiten, um präventive Wartungsintervalle zu optimieren und reaktive Einsätze zu reduzieren.
    • Qualitätsmanagement: Quality Manager verknüpfen Ausfallzeiten mit Fehlermustern, um Reklamationen und Produktionsausschuss zu senken.
    • Lebensmittel- und Getränkeindustrie: Food & Beverage Manager müssen Ausfallzeiten besonders eng kontrollieren, da unterbrochene Kühlketten oder stehengebliebene Abfüllanlagen direkte Produktionsrisiken und Compliance-Probleme bedeuten.
    • Bauwesen: Construction Manager erfassen Stillstandszeiten von Geräten und Maschinen auf der Baustelle, um Kosten und Projektverzögerungen zu minimieren.

Wer Ausfallzeiten systematisch misst und auswertet, schafft die Basis für datengetriebene Entscheidungen und nachhaltige Prozessverbesserungen.

Wie werden Ausfallzeiten erfasst und ausgewertet?

Ein strukturierter Prozess stellt sicher, dass Ausfallzeiten erfasst und nachhaltig behoben werden.

1. Störung erkennen und melden: Sobald eine Maschine stoppt oder ein System ausfällt, wird der Vorfall sofort durch den Bediener oder ein automatisiertes Monitoring-System gemeldet. Zeitstempel und Anlagenkennung werden erfasst.

2. Ursache klassifizieren: Die Ausfallzeit wird einer Kategorie zugeordnet, zum Beispiel mechanischer Defekt, Bedienerfehler, Materialfehler, geplante Wartung oder ungeplante Wartung.

3. Downtime dokumentieren: Start- und Endzeit, betroffene Anlage, Schicht und verantwortliche Person werden festgehalten, idealerweise direkt in einer digitalen Checkliste oder einem CMMS.

4. Ursachenanalyse durchführen: Mithilfe von 5-Why oder Ishikawa-Diagramm wird die eigentliche Ursache ermittelt, nicht nur das Symptom.

5. Maßnahmen einleiten: Korrektive und präventive Maßnahmen werden definiert, Verantwortlichkeiten vergeben und Fristen gesetzt.

6. Kennzahlen auswerten: MTBF (Mean Time Between Failures) und MTTR (Mean Time to Repair) werden berechnet und mit Zielwerten verglichen.

7. Verbesserungen ableiten: Wiederkehrende Ausfallmuster fließen in die Wartungsplanung und das Risikomanagement ein.

Was ist der Unterschied zwischen geplanter und ungeplanter Ausfallzeit?

Nicht jede Ausfallzeit ist gleich schädlich. Der Unterschied zwischen geplanter und ungeplanter Ausfallzeit ist entscheidend.

Geplante Ausfallzeit entsteht durch bewusst eingeplante Maßnahmen: Wartungsarbeiten, Rüstvorgänge, Reinigungs-Intervalle oder Software-Updates. Diese ist kalkulierbar, lässt sich in die Produktionsplanung einarbeiten und hat meistens keinen negativen Einfluss auf Liefertermine oder Qualitätsstandards.

Ungeplante Ausfallzeit tritt unerwartet auf, etwa durch Maschinenbruch, Lieferengpässe oder Bedienfehler. Diese unterbricht den Produktionsfluss ohne Vorwarnung und verursacht in vielen Betrieben die größten wirtschaftlichen Schäden. Studien aus der produzierenden Industrie zeigen, dass ungeplante Stillstände pro Stunde schnell mehrere tausend Euro kosten können.

Ein weiterer relevanter Begriff ist Teilausfallzeit, also der Zustand, in dem eine Anlage zwar läuft, aber mit deutlich reduzierter Leistung. Diese Form der Ausfallzeit wird oft unterschätzt, schlägt sich aber direkt in OEE-Verlusten nieder.

Wie wird Ausfallzeit berechnet?

Ausfallzeit wird berechnet, indem die gesamte Stillstandsdauer einer Anlage durch die geplante Betriebszeit dividiert wird. Das Ergebnis zeigt wie häufig und wie schwerwiegend Unterbrechungen im Betriebsablauf tatsächlich sind.

Was bedeuten MTBF und MTTR bei der Analyse der Ausfallzeit?

MTBF und MTTR sind die zwei wichtigsten Kennzahlen, um Ausfallzeiten zu messen und zu analysieren.

MTBF (Mean Time Between Failures) gibt an, wie viel Zeit durchschnittlich zwischen zwei Ausfällen liegt:

MTBF = Gesamte Betriebszeit / Anzahl der Ausfälle

Ein sinkender MTBF-Wert über mehrere Perioden ist ein frühes Warnsignal: Die Anlage wird störanfälliger und sollte genauer unter die Lupe genommen werden.

MTTR (Mean Time to Repair) misst, wie lange eine Reparatur im Durchschnitt dauert:

MTTR = Gesamte Reparaturzeit / Anzahl der Reparaturen

Ein dauerhaft hoher MTTR-Wert deutet meist auf fehlende Ersatzteile, unklare Zuständigkeiten oder lückenhafte Reparaturanleitungen hin.

Zusammen beantworten beide Kennzahlen die zwei wichtigsten Fragen im Betrieb: Wie oft fällt eine Anlage aus, und wie schnell sind wir wieder betriebsbereit?

Welche Maßnahmen sind entscheidend, um Ausfallzeiten zu senken?

Ausfallzeiten lassen sich nicht auf null reduzieren, aber mit den richtigen Maßnahmen erheblich senken.

 

  • Digitale Erfassung in Echtzeit: Wer Ausfallzeiten noch manuell auf Papier dokumentiert, verliert wertvolle Stunden bei der Analyse. Digitale Checklisten und mobile Formulare ermöglichen sofortige Datenerfassung direkt an der Maschine.

 

  • Präventive statt reaktiver Instandhaltung: Regelmäßige Inspektionen nach festem Plan reduzieren ungeplante Ausfälle deutlich wirksamer als reine Feuerwehrstrategie.

 

  • Klare Eskalationsprozesse: Jeder im Team muss wissen, wen er bei einem Ausfall sofort kontaktiert. Unklare Zuständigkeiten verlängern die MTTR unnötig.

 

  • Ursachenanalyse als Pflicht, nicht als Option: Wer nur Symptome behebt und nicht die Grundursache, repariert dieselbe Maschine sechs Monate später wieder.

 

  • Ersatzteilverfügbarkeit sichern: Kritische Ersatzteile mit langen Lieferzeiten müssen auf Lager liegen. Fehlende Teile sind einer der häufigsten Gründe für überlange Stillstandszeiten.

 

  • Mitarbeiterschulungen aktuell halten: Bedienerfehler zählen zu den häufigsten Auslösern ungeplanter Ausfälle, lassen sich aber durch gezielte Trainings deutlich reduzieren.

 

  • KPI-Tracking etablieren: MTBF, MTTR und Ausfallzeitenquote müssen regelmäßig ausgewertet und mit Vorperioden verglichen werden, damit Trends früh erkannt werden.

Weiterführende Erklärungen zu Fachbegriffen finden Sie in unserem Glossar.